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View Full Version : Scambaiting: Spaß mit der Nigeria-Connection


Rob
27 January 2008, 18:51
http://www.netzwelt.de/news/73965-scambaiting-spass-mit-der-nigeriaconnection.html


Kurioses aus Nigeria
Scambaiting: Spaß mit der Nigeria-Connection
Christian Rentrop

Immer wieder hört man von der Nigeria-Connection. Dabei handelt es sich um Betrüger, die im Web mit der immer gleichen Masche unterwegs sind: Einem Opfer werden riesige Summen versprochen, doch zuerst wird es zur Kasse gebeten. Sogar ein Finanzverantwortlicher einer Stadt in NRW soll das Geld aus der Stadtkasse nach Nigeria geschickt haben. Nichtsdestotrotz hat sich ein bizarrer Kult um die Nigeria-Masche gebildet: Die so genannten Scammer dienen Spaßvögeln im Web immer öfter als Zielscheibe skurriler Späße.

Die Masche ist wesentlich älter als das Internet, der so genannte "Vorschussbetrug" ist eine seit dem 16. Jahrhundert bekannte Form von Abzocke. Doch erst dank des Internets wird es den Betrügern der Nigeria-Connection möglich, mit einfachsten Mitteln falsche Geschichten, Personen, Adressen, Banken, ja sogar Städte zu erschaffen. Dabei muss ein Betrug nach dem Nigeria-Connection-Prinzip nicht unbedingt aus Nigeria stammen, vielmehr können die "Angriffe" auch aus anderen Ländern kommen.



Armer, kleiner, krebskranker nigerianischer Millionär

Die Scammer drücken in ihren Mails massiv auf die Tränendrüse: Egal, ob es sich um die krebskranke Millionärin handelt, die ihre Millionen außer Landes schaffen möchte oder ob die Staatskasse eines afrikanischen Diktators aufgelöst werden soll, immer geht es um Millionen, die einem ahnungslosen Internet-Nutzer per E-Mail versprochen werden. Um an das Geld zu gelangen, soll das Opfer jedoch erst einmal Bearbeitungsgebühren oder Verwaltungskosten tragen, meist im dreistelligen Euro-Bereich. Eine kleine Summe im Anbetracht des Versprechens, bald in Geld zu schwimmen. Viele Anwender vergessen dabei jede Vernunft und spielen mit.

Haben die Betrüger ein dankbares Opfer gefunden, melken sie es mit immer neuen Geldforderungen. Mal müssen Verwaltungsbeamte bestochen werden, mal gilt es, Kontogebühren zu bezahlen, weil man sonst nicht an das Konto kommt. Auf diese Weise wurden viele Anwender viel Geld los, ohne jemals einen Heller aus den angeblichen afrikanischen Vermögen zu Gesicht zu bekommen. Der Grund dafür ist klar: Weder existieren die Vermögen noch die verantwortlichen Personen, die ihre gefälschten Ausweise gerne mit militärischen oder akademischen Titeln schmücken, um der Nummer Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Totgelaufen?

Doch wie das bei erfolgreichen Maschen ist, laufen sie sich irgendwann einmal tot. Die Opfer warnen in Foren, auf Websites und sogar in Print-Medien vor den Betrügern, so sehr, dass inzwischen alles, was an augenscheinlich gewinnbringenden Angeboten vom schwarzen Kontinent kommt, kritisch beäugt werden muss. Das hindert die Scammer natürlich nicht daran, immer neue schräge Geschäfte anzubieten. Dennoch: Die Nigeria-Connection-Masche ist inzwischen bekannt, nur noch sehr einfache Zeitgenossen dürften auf die Post aus Nirgendwo reagieren. Wohl deshalb müssen die meist afrikanischen Scammer zusehends unter Spott und Hohn "leiden".


Denn in den USA und Großbritannien hat sich eine ganze Szene etabliert, die die Tricks der Nigeria-Connection zu ihrer Unterhaltung nutzen. Diese so genannten Scambaiter, "Betrugsköder", treiben ihre oft derben Späße mit den Scammern. Ziel ist es, die Scammer möglichst stark zu beschäftigen und sie dadurch daran zu hindern, andere Klienten zu ködern. Im nigerianischen Strafgesetz wird Vorschussbetrug unter Paragraf 419 abgehandelt, weshalb die Nigeria-Betrüger auch gerne als "419er" oder "Four-One-Niner" bezeichnet werden. Die Anti-Scammer machen sich nun einen Spaß daraus, die 419er mit ihren eigenen Mitteln zu schlagen, nicht selten mit Erfolg.

Ab 14.39 Uhr wird zurückbeschissen!

So setzen die 419er gerne auf persönlichen Kontakt. Um ihren Geldversprechen Würze zu verleihen, betreuen die Briefschreiber persönlich die Anwender. Wer antwortet, ist bereits in die Falle gegangen. Die Authentizität wird über gefälschte Ausweise hergestellt, die per E-Mail eingereicht werden, oft genug liefern die Scammer - voll auf die Habgier der Menschen setzend - auch Bilder der Reichtümer, die verteilt werden müssen. Das geschieht oft so überzogen und offensichtlich, dass der Betrug regelrecht zum Himmel stinkt.

Die Anti-Scammer arbeiten mit genau den gleichen Mitteln und betreiben das Scambaiting förmlich als Sport: Sie erfinden alberne Geschichten, arbeiten mit gefälschten Fotos und Ausweisdokumenten, um die Nigeria-Betrüger an der Nase herumzuführen. Legendäre Beispiele finden sich auf der Website 419zeros.com, die sich das gepflegte Verhohnepipeln der Betrüger auf die Fahne schreibt - mit zum Teil skurrilen Ergebnissen. Andere Antiscammer lassen die Scammer als Vertrauensbeweis seltsame Dinge auf Bildern machen.

Die Sache mit dem Ei auf dem Kopf

Mails, in denen Scammer von ihren vermeintlichen Opfern aufgefordert werden, sich nackt auf einem Bein mit einem zerschlagenen Ei auf dem Kopf ablichten zu lassen, werden nicht selten umgehend mit entsprechendem Material beantwortet. Denn die Betrüger aus Schwarzafrika leiden gelegentlich unter kultureller Unbedarftheit und Naivität und machen nicht selten Faxen, um den "Kunden" bei Stange zu halten, sehr zur Freude der Scambaiter.

Dabei hat sich inzwischen eine regelrechte Scambaiting-Bewegung im Web etabliert. Es gibt Scam-Baukästen, Scam-Websites und jede Menge Sammlungen der verschiedensten Scam-Mails. Die Website AA419.org ruft zum Scammer-FlashMob auf, eine künstlerische Variante einer DDoS-Attacke gegen von Scammern erfundene, gefälschte afrikanische Banken. Woanders fragt ein Test ganz im Stil einschlägiger Frauenzeitschriften "Welcher nigerianische Spammer bist Du?" mit Multiple-Choice-Antworten. Besonders belustigend sind allerdings die Dialog-Websites wie 419zeros.com, deren Betreiber versuchen, den Scammern möglichst amüsante Dialoge abzuringen.