Rob
27 January 2008, 18:35
http://www.netzwelt.de/news/69150-spam-abzocke-mit-tsunamihilfe-update.html
Nigeria-Connection betreibt Fluthilfe
Spam: Abzocke mit Tsunami-Hilfe
Christian Rentrop
Scammer setzen auf die Flutkatastrophe in Südostasien als neue Geschäftsidee. Ein fiktives Spendenkonto dient den Email-Abzockern als Lizenz zum Gelddrucken. Allerdings dürfte das Geld eher in Mercedes-Benz-Limousinen denn in die Katastrophenhilfe investiert werden.
Manche Menschen haben vor nichts Respekt. Da werden durch einen Tsunami hunderttausende von Menschen weggespült, ganze Landstriche vom Meer dem Erdboden gleich gemacht und ganze Völker binnen Minuten in die Hungersnot getrieben und Email-Abzocker haben nichts besseres zu tun, als daraus Profit zu schlagen, wie das Antispam-Unternehmen BlackSpider Technologies nun herausfand.
Wellenmitleid als Geschäftsidee
Doch wie schlägt man aus einer Welle Profit? Ganz einfach: Entweder, man schreibt den Hit zur Katastrophe, der dann bei Bildern des Unglücks im Fernsehen hoch und runter geleiert wird, so wie damals im September 2001 die im Karriereknick hängende Keltenpop-Prinzessin Enya. Oder man druckt T-Shirts für die inzwischen wieder in Hundertschaften eintrudelnden Touristen: "My uncle drowned in Thailand and all I got was this lousy T-Shirt!"
Wer es hingegen einfacher und unauffälliger mag, hält es mit Scam-Emails. Ganz im Stil der Nigeria-Connection, die sich bereits für Email-Scam-Klassiker wie den gestürzten afrikanischen Adeligen verantwortlich zeigten, werden arglose Bürger auf der ganzen Welt nun nach Spenden für die Flutopfer angeschnorrt.
Disaster Help Funds
Die Scam-Mails kommen über den Spam-Verteiler und sollten normalerweise direkt ungelesen in den Spam-Filter gejagt werden. Ein "Tsunamis Disaster Help Funds", so die Aussage der Emails im besten Nigeria-Connection-Sprech, also in gebrochenem Englisch, soll die Flutopfer mit den Spendengeldern unterstützen. Es steht freilich außer Frage, dass die Opfer nicht einen Cent jemals zu Gesicht bekommen.
In den Mails befinden sich Kontonummer oder Email-Adresse für die Kontaktaufnahme. Die Variante mit der Kontonummer ist insofern unangenehm, weil sie viele Leser dazu verleiten könnte, den Spendenaufrufen zu folgen. Die Kontonummer liegt bei einer niederländischen Bank.
Gefälschte Aufrufe
Zwei Beispiel für die gefälschten Spenden-Aufrufe finden sich auf der Website der Arcendo Communications GmbH. Eine interessante Stilblüte dabei: Die Scammer behaupten, die Email-Adressen wären durch ein Auswahlverfahren ermittelt worden. Das soll dem Empfänger wohl suggerieren, er wäre ein Auserwählter.
Scammer wie die Nigeria-Connection seien ja bereits bekannt, so Günter Fuhrmann, Manager bei BlackSpider Technologies Deutschland, aber "dass manche jetzt sogar ein solches Unglück auszunutzen versuchen, um sich zu bereichern, ist dennoch erschütternd."
Unangenehme Tatsachen
Als besonders unangenehm empfindet Fuhrmann die Tatsache, dass die Scammer offensichtlich ihre Taktik geändert haben: "Statt wie sonst an die Habgier wird nun an die Hilfsbereitschaft der Empfänger appelliert." Wodurch sich für die Scammer normalerweise ein Verlustgeschäft ergeben würde, denn welcher durchschnittsbürger in der westlichen Welt ist schon hilfsbereiter als habgierig?
Netzwelt.de empfiehlt, auf derartige Scam-Emails nicht zu reagieren und sie direkt dem Spamschlucker zuzuführen, damit wenigstens der Filter etwas davon hat. Wenn Sie wirklich helfen wollen, wenden Sie sich an die eingetragenen Hilfsorganisationen wie sie beispielsweise auf der Website Hilfsorganisationen.de gelistet werden.
Die amerikanische Bundespolizei FBI hat einen der Urheber des Tsunami-Scams ausfindig gemacht und verhaftet. Es handelt sich um einen 24-jährigen US-Amerikaner, der sich recht dumm angestellt hatte: Das Paypal-Konto, auf das die Empfänger der Emails überweisen sollten, war auf seinen Namen registriert. Das FBI benötigte nur wenige Stunden, um ihn ausfindig zu machen.
Ein dicker Fisch ist der Betrüger also nicht. Er hatte zum Zeitpunkt der Festnahme gerade einmal 150 Dollar eingenommen, nicht gerade eine Unsumme im Anbetracht der rund 800.000 Emails, die er versendet hatte. Er wollte das Geld nach eigener Aussage zur Reparatur seines Autos nutzen. Der Täter ist gegen eine Kaution von 25.000 Dollar wieder auf freiem Fuß, andere Tsunami-Scammer werden folgen.
Nigeria-Connection betreibt Fluthilfe
Spam: Abzocke mit Tsunami-Hilfe
Christian Rentrop
Scammer setzen auf die Flutkatastrophe in Südostasien als neue Geschäftsidee. Ein fiktives Spendenkonto dient den Email-Abzockern als Lizenz zum Gelddrucken. Allerdings dürfte das Geld eher in Mercedes-Benz-Limousinen denn in die Katastrophenhilfe investiert werden.
Manche Menschen haben vor nichts Respekt. Da werden durch einen Tsunami hunderttausende von Menschen weggespült, ganze Landstriche vom Meer dem Erdboden gleich gemacht und ganze Völker binnen Minuten in die Hungersnot getrieben und Email-Abzocker haben nichts besseres zu tun, als daraus Profit zu schlagen, wie das Antispam-Unternehmen BlackSpider Technologies nun herausfand.
Wellenmitleid als Geschäftsidee
Doch wie schlägt man aus einer Welle Profit? Ganz einfach: Entweder, man schreibt den Hit zur Katastrophe, der dann bei Bildern des Unglücks im Fernsehen hoch und runter geleiert wird, so wie damals im September 2001 die im Karriereknick hängende Keltenpop-Prinzessin Enya. Oder man druckt T-Shirts für die inzwischen wieder in Hundertschaften eintrudelnden Touristen: "My uncle drowned in Thailand and all I got was this lousy T-Shirt!"
Wer es hingegen einfacher und unauffälliger mag, hält es mit Scam-Emails. Ganz im Stil der Nigeria-Connection, die sich bereits für Email-Scam-Klassiker wie den gestürzten afrikanischen Adeligen verantwortlich zeigten, werden arglose Bürger auf der ganzen Welt nun nach Spenden für die Flutopfer angeschnorrt.
Disaster Help Funds
Die Scam-Mails kommen über den Spam-Verteiler und sollten normalerweise direkt ungelesen in den Spam-Filter gejagt werden. Ein "Tsunamis Disaster Help Funds", so die Aussage der Emails im besten Nigeria-Connection-Sprech, also in gebrochenem Englisch, soll die Flutopfer mit den Spendengeldern unterstützen. Es steht freilich außer Frage, dass die Opfer nicht einen Cent jemals zu Gesicht bekommen.
In den Mails befinden sich Kontonummer oder Email-Adresse für die Kontaktaufnahme. Die Variante mit der Kontonummer ist insofern unangenehm, weil sie viele Leser dazu verleiten könnte, den Spendenaufrufen zu folgen. Die Kontonummer liegt bei einer niederländischen Bank.
Gefälschte Aufrufe
Zwei Beispiel für die gefälschten Spenden-Aufrufe finden sich auf der Website der Arcendo Communications GmbH. Eine interessante Stilblüte dabei: Die Scammer behaupten, die Email-Adressen wären durch ein Auswahlverfahren ermittelt worden. Das soll dem Empfänger wohl suggerieren, er wäre ein Auserwählter.
Scammer wie die Nigeria-Connection seien ja bereits bekannt, so Günter Fuhrmann, Manager bei BlackSpider Technologies Deutschland, aber "dass manche jetzt sogar ein solches Unglück auszunutzen versuchen, um sich zu bereichern, ist dennoch erschütternd."
Unangenehme Tatsachen
Als besonders unangenehm empfindet Fuhrmann die Tatsache, dass die Scammer offensichtlich ihre Taktik geändert haben: "Statt wie sonst an die Habgier wird nun an die Hilfsbereitschaft der Empfänger appelliert." Wodurch sich für die Scammer normalerweise ein Verlustgeschäft ergeben würde, denn welcher durchschnittsbürger in der westlichen Welt ist schon hilfsbereiter als habgierig?
Netzwelt.de empfiehlt, auf derartige Scam-Emails nicht zu reagieren und sie direkt dem Spamschlucker zuzuführen, damit wenigstens der Filter etwas davon hat. Wenn Sie wirklich helfen wollen, wenden Sie sich an die eingetragenen Hilfsorganisationen wie sie beispielsweise auf der Website Hilfsorganisationen.de gelistet werden.
Die amerikanische Bundespolizei FBI hat einen der Urheber des Tsunami-Scams ausfindig gemacht und verhaftet. Es handelt sich um einen 24-jährigen US-Amerikaner, der sich recht dumm angestellt hatte: Das Paypal-Konto, auf das die Empfänger der Emails überweisen sollten, war auf seinen Namen registriert. Das FBI benötigte nur wenige Stunden, um ihn ausfindig zu machen.
Ein dicker Fisch ist der Betrüger also nicht. Er hatte zum Zeitpunkt der Festnahme gerade einmal 150 Dollar eingenommen, nicht gerade eine Unsumme im Anbetracht der rund 800.000 Emails, die er versendet hatte. Er wollte das Geld nach eigener Aussage zur Reparatur seines Autos nutzen. Der Täter ist gegen eine Kaution von 25.000 Dollar wieder auf freiem Fuß, andere Tsunami-Scammer werden folgen.